Ein Solarofen

von Victoria Aguilera Velazco

Selbermachen (Ausgabe IV/2021)

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Ein Solarofen Modell Ulog. Foto: Victoria Aguilera Velazco


Ein Solarofen nutzt thermische Sonnenenergie, um Speisen zu garen. Wie in einem Treibhaus werden Sonnenstrahlen absorbiert und in Wärme umgewandelt. Die erreichten Temperaturen sind allerdings niedriger als bei klassischen Herden, 120 bis 140 Grad Celsius, bei starker Sonne auch mal 150 Grad Celsius. Fürs Kochen muss man also etwas mehr Zeit einplanen. Je nach Lebensmittel dauert die Zubereitung zwanzig bis dreißig Minuten länger.

Ich selbst koche schon seit Langem und beschäftigte mich mit verschiedenen Arten der Zubereitung von Lebensmitteln. Ich habe das Fach Erneuerbare Energien in Oaxaca im Süden Mexikos studiert und war danach auf der Suche nach möglichen Anwendungen für Solarenergie. Ich traf Leute, die schon mit Solarkochern arbeiteten, und so kam ich vor fast zehn Jahren zu dem Projekt „Cocina solar México“ (Solarküche Mexiko), das in einigen Gemeinden im Bundesstaat Oaxaca die Solarküche fördert. Mittlerweile habe ich eine eigene Firma gegründet – La Sazón del Sol (Die Würze der Sonne). Dort setzen wir verschiedene Techniken der Solarküche ein, um Lebensmittel herzustellen – einige davon existierten bereits, andere haben wir entwickelt. Für mich persönlich geht es darum zu zeigen, wie vielfältig die Solarküche sein kann.

Ein am Ofen befestigter Reflektor mit einer Aluminiumfolie leitet die Sonnenstrahlung in die Kochmulde

Der Solarofen, den ich hier vorstelle, entspricht dem Modell Ulog, das in der Schweiz entwickelt wurde. Es besteht aus zwei ineinandergefügten Kästen. Der äußere Kasten kann aus Holz, Sperrholz oder Karton sein. Für den inneren Kasten kann man Aluminium, Blech oder Pappe verwenden – Aluminium und Kupfer transportieren die Wärme am besten. Der innere Kasten wird mit matter schwarzer Farbe gestrichen. Zwischen beide Kästen kommt eine Dämmschicht aus Wolle, Isolierschaum oder Glaswolle, um Wärmeverluste zu verringern. Geschlossen wird der Ofen durch ein Fenster mit Doppelverglasung. Ein Luftraum zwischen den beiden Scheiben von ungefähr zwei Zentimetern Abstand verhindert ebenfalls, dass Wärme entweicht, und ein am Ofen befestigter Reflektor mit einer Aluminiumfolie leitet die Sonnenstrahlung in die Kochmulde. Der Reflektor wird je nach Stand der Sonne ausgerichtet.

Wir bieten Workshops für Organisationen und ländliche Gemeinden an, in denen man lernen kann, wie man Solarkocher baut und verwendet. Anfangs zeigten wir in den Kursen, wie man einfache traditionelle mexikanische Gerichte zubereitet. Dann dachte ich mir, wenn es mehr Rezepte gäbe, würden die Leute die Solaröfen eher im Alltag benutzen. So kamen immer mehr Gerichte hinzu.

Eintöpfe und Soßen kann man mit den Solaröfen gut kochen, aber auch Brot, Kekse und Kuchen backen. Obst kann in ihnen getrocknet werden. Und mit den im Ofen gerösteten Samen machen wir ein Granola fürs Müsli. Man kann die Öfen auch fürs Konservieren von Lebensmitteln verwenden. Dafür stellen wir Dosen mit Gemüse direkt in den Ofen – sie werden dort sterilisiert, sodass sie ohne Konservierungsstoffe mehr als ein Jahr haltbar sind.

Gemüse kommt ganz ohne Wasser in den Ofen. Selbst Kartoffeln und Eier können ohne Wasserzugabe gekocht werden

Die Öfen haben den großen Vorteil, dass sie keine elektrische Energie, Gas oder Brennholz benötigen, nur Sonnenschein. Und man muss beim Kochen nicht ständig dabeibleiben. Höchstens rührt man einmal zwischendrin um. Bei Brot oder Kuchen muss man gar nichts weiter tun. Beim langsamen Garen bleiben zudem viele Nährstoffe erhalten, ebenso der Geschmack und die Farbe. Für Soßen muss man weniger Flüssigkeit zugeben. Gemüse kommt ganz ohne Wasser in den Ofen. Selbst Kartoffeln und Eier können ohne Wasserzugabe gekocht werden. Aufpassen muss man nur, wenn man die Töpfe aus dem Ofen nimmt, da sie doch ziemlich heiß werden können.

Um einen großen Solarkocher zu bauen, brauchen wir zwei ganze Tage. Für die einfacheren Modelle aus Karton und Aluminiumfolie braucht man nur zwei, drei Stunden. Zuletzt haben wir in San Dionisio del Mar, einer kleinen Gemeinde im Süden des Isthmus von Tehuantepec, 35 Solaröfen zusammengeschraubt. Mittlerweile dürften es durch unsere Workshops rund dreihundert davon im Bundesstaat Oaxaca geben. Und das nicht nur in ländlichen Gebieten, wir haben auch Kurse in der Hauptstadt Oaxaca gegeben. Um einen Solarofen aufzustellen, braucht man ja nur einen kleinen Garten.

Beim Betrieb setzt der Ofen keine Emissionen frei, aber die einzelnen Materialien, die man für die Herstellung benötigt, etwa Aluminium, verbrauchen bei der Produktion sehr viel Energie. Deswegen benutzen wir umweltverträgliche Farben und zertifiziertes Holz.

Protokolliert von Timo Berger



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