Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Ausgabe I/2011)

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Foto: Max Lautenschläger


Weniger ist mehr. Das klingt nach Sparen, vernünftig sein. Nachhaltigkeit und so. Es klingt auch nach einer übersichtlicheren Welt, in der man sich nicht mit so viel Unsinn befassen muss. Man stelle sich vor: weniger Verkehr, weniger Handyfunktionen, weniger E-Mails – und mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens. Welche waren das noch mal?

„Wohlstand heißt: Es geht uns gut“, schreibt Tim Jackson, Professor für Nachhaltige Entwicklung, in dieser Ausgabe. Wenn man Menschen fragt, was das für sie konkret bedeute, so Jackson weiter, dann reden sie über Beziehungen, ihre Familie, über Freunde. Und über die Sicherheit, einen Arbeitsplatz zu haben, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Auf der Wunschliste für ein gutes Leben taucht Geld auffällig weit unten auf.

Wenn wir also eigentlich nach den nicht käuflichen Dingen streben, warum fällt es uns dann so schwer, unseren Konsum einzuschränken? Wir wissen von Klimawandel, Wasserknappheit und Ölmangel, wir wissen, dass die Weltbevölkerung weiter wächst und die riesigen Länder Brasilien, China und Indien sich rasant entwickeln.

In dieser Ausgabe geht es um das Wirtschaftswachstum und seine Grenzen, ums Konsumieren und Verzichten, um die weltweite Verteilung von Wohlstand und um unser Verhältnis zur Natur. „Weniger ist nicht mehr“, sagt Ilija Trojanow, „viel weniger ist die einzige Überlebenschance.“ Das Problem mit den großen Problemen: Werden Menschen zu oft mit Negativnachrichten konfrontiert, hören sie nicht mehr zu. Doch könnten in einem „Weniger ist mehr“ nicht auch Verlockungen liegen? Könnte die Notwendigkeit, unsere Lebensgewohnheiten zu verändern, auch eine Gelegenheit sein, mehr von dem zu bekommen, was uns guttut? Mehr Wirtschaftswachstum führt nicht mehr zu mehr Wohlstand, steht erstmals im Human Development Report 2010 der Vereinten Nationen. Das heißt: Das Wachstum kommt nicht mehr bei den Menschen an. Höchste Zeit also, über unser Unbehagen an einer durchökonomisierten Welt zu sprechen, wenn diese uns nichts Gutes mehr beschert.



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