Untergangsstimmung: Ein Fischerboot im Schatten des Vesuvs, Neapel, Italien

Schwerpunkt

Das Ende des Westens

Überall wird derzeit das Ende des Westens heraufbeschworen, sei es als Gefühl kollektiver Erschöpfung oder als Zeichen einer sich verschiebenden Weltordnung. Ist das gerechtfertigt? Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe mit der Krise des Westens aus globaler Perspektive und hinterfragen unser Selbstverständnis

Spätestens seit der Wiederwahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und seinem Bruch mit Europa scheint das Ende des Westens, wie wir ihn kannten, zur Realität geworden zu sein. Die neuen Rechten erzielen in vielen westlichen Ländern historische Mehrheiten. Gleichzeitig verlieren die liberalen Demokratien auf der Weltbühne zunehmend ihre wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung, die soziale Ungleichheit wächst. Gesellschaftlich wie politisch scheint der Westen von einem Burn-Out befallen. Es fehlt an Ideen und Neugier, wie etwa die chinesische Autorin und Filmemacherin Xiaolu Guo in unserem Interview erklärt.

Ist dieser Pessimismus gerechtfertigt? Oder steckt der Westen schlicht in festgefahrenen Denkmustern fest?

Der kolumbianische Philosoph Oscar Guardiola-Rivera findet beispielsweise, der Westen sei vom eigenen Untergang besessen, obwohl es überall Neuanfänge gebe. Auch der malaysische Autor Tash Aw sieht in Europas Städten eine übermäßige Fixierung auf die Vergangenheit. Die Historikerin Anne Appelbaum hingegen findet, dass wir uns schon längst in einem neuen Zeitalter befinden.

Diese Ausgabe von KULTURAUSTAUSCH beschäftigt sich mit dem Ende des Westens aus globaler Perspektive, stellt sein Selbstverständnis infrage und wagt einen Sichtwechsel. Wir fragen nach neuen Ideen und Lösungsansätzen, schauen unter anderem auf eine neue Börse in Addis Abeba, die frisches Kapital nach Äthiopien bringt.

Mai 2025

„Wir wissen noch nicht, wie die neue Ära genau aussehen wird, aber wir können nicht länger davon ausgehen, dass wir in einer Welt leben, in der Grenzen respektiert werden“
Anne Applebaum
Historikerin und Journalistin

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Außer unserem Themenschwerpunkt enthält unsere Ausgabe 2/2025 weitere Reportagen, Interviews und Meldungen aus aller Welt: 

Kamel Daoud im Gespräch: Wie Algerien Schriftsteller bekämpft

Kampf für Gleichberechtigung: Wie Frauen den Mardi Gras in New Orleans revolutionieren

Kunst: Der Fotograf Sam Youkilis über seinen unkoventionellen Stil 

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KULTURAUSTAUSCH ist das Magazin für internationale Perspektiven. Es stellt internationale Kulturbeziehungen aus ungewohnten Blickwinkeln dar und nimmt Menschen und Regionen in den Blick, die in der deutschen Debatte nur wenig Gehör finden.

Renommierte Autorinnen und Autoren wie Serhij Zhadan, Fatou Diome, Liao Yiwu, Ibram X. Kendi oder Gioconda Belli kommen dabei ebenso zu Wort wie die Expertinnen und Experten des Alltags: von afghanischen Ärztinnen über Minenarbeiter in Kongo bis zu Rennfahrerinnen aus Katar.

KULTURAUSTAUSCH steht für Vielfalt, Dialog und einen Journalismus aus nächster Nähe. Herausgegeben vom ifa – Institut für Auslandsbeziehungen in Partnerschaft mit dem ConBrio Verlag.