Künstliche Intelligenz | Afrika

KI made in Afrika

Reden wir über KI, blicken wir meist nach San Francisco oder Peking, nicht nach Afrika. Dabei werden dort jeden Tag neue KI-Initiativen gegründet. Ein Überblick
Collage, die Screenshots verschiedener afrikanischer KI-Startups zeigt

Egal ob Inklusion, dekolonialisierte Musik oder Erinnerungskultur und Kunst: Überall in Afrika entstehen Initiativen, die KI einsetzen wollen, um die eigene Identität zu stärken und Wissensbarrieren abzubauen.

Eine KI, die Kiswahili spricht

Masakhane. ganz Afrika

Dem Internet nichtwestliche Sprachen beizubringen – das ist die Mission der panafrikanischen Nonprofit-Community Masakhane. Forscherinnen und Forscher aus Dutzenden Ländern entwickeln gemeinsam KI-basierte Übersetzungsmodelle für Kiswahili, Yoruba, Shona und viele weitere Sprachen, die in den Datenarchiven der Welt sonst kaum vorkommen. Bei der Organisation sieht man die Sprache als eine Voraussetzung für digitale Gleichberechtigung.  „Wir bauen gemeinsam“, bedeutet der isiZulu-Name Masakhane. Das Ziel: Wissen zu teilen und afrikanische Sprachen, die während des Kolonialismus brutal zurückgedrängt wurden, zu stärken, insbesondere im Bereich der neuen Technologien.

Digitale Ahnen

Igun Data. Nigeria

1897 tötete die britische Kolonialmacht zahlreiche Einwohner des Reiches Benin, legte den Königspalast in Schutt und Asche und zerstörte und plünderte Tausende Artefakte, darunter auch die berühmten Benin-Bronzen. Diese Leerstelle nimmt die nigerianische Künstlerin Minne Atairu zum Ausgangspunkt für Igun Data. Mithilfe von KI entwirft sie hypothetische Artefakte – solche, die während der Kolonialzeit hätten entstanden sein können. Die digitalen Objekte sind keine historischen Rekonstruktionen, sondern ein künstlerischer Zugriff auf einen Zeitraum, der sich der Dokumentation entzieht.

Ein Avatar für Gebärdensprache

Signverse. Kenia und Ruanda

Signvrse, ein Start-up mit Sitz in Nairobi und Kigali, arbeitet an der digitalen Inklusion gehörloser Menschen. Das System Terp 360 übersetzt gesprochene Sprache in Echtzeit in Gebärdensprache – dargestellt von einem animierten 3D-Avatar. Die Technologie soll Barrieren abbauen: Oft stehen gehörlosen Menschen in Afrika keine Dolmetscher zur Verfügung und sie können sich im öffentlichen Raum nicht verständigen. Gründer Elly Savatia entwickelte die Software zusammen mit gehörlosen Menschen.

Algorythmen, die afrikanisch klingen

AI & African Music. Südafrika

Die Universität Witwatersrand in Johannesburg hat das Projekt  „AI & African Music“ gestartet: Künstliche Intelligenz soll nicht länger nur mit westlichen Soundarchiven arbeiten, sondern mit afrikanischen Rhythmen, Stimmen und Traditionen. Das Programm lädt Musikerinnen, Produzenten und Pädagoginnen aus ganz Afrika ein, KI-gestützte Musikideen zu entwerfen. Ziel ist es, digitale Tools zu entwickeln, die afrikanische Tonalitäten und Arbeitsweisen überhaupt erst verstehen und zugleich musikalisches Erbe dokumentieren und neu interpretieren können.

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Renommierte Autorinnen und Autoren wie Serhij Zhadan, Fatou Diome, Liao Yiwu, Ibram X. Kendi oder Gioconda Belli kommen dabei ebenso zu Wort wie die Expertinnen und Experten des Alltags: von afghanischen Ärztinnen über Minenarbeiter in Kongo bis zu Rennfahrerinnen aus Katar.

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