Warum Männer im Kosovo nie umziehen

von Fatmire Bajramaj

What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen (Ausgabe II+III/2011)


Anders als in Deutschland, wo junge Leute meist lange vor der Hochzeit von zu Hause ausziehen und sich ein eigenes Heim suchen, verlassen im Kosovo traditionell nur die Frauen das elterliche Haus. Nachdem sie geheiratet haben, ziehen sie bei der Familie ihres Mannes mit ein. Sollte in einem Haus nicht mehr genug Platz sein, dann wird einfach ein neues angebaut und ein Teil der Familie siedelt dorthin um.

Durch das Zusammenleben entstehen enge familiäre Bindungen. Mit der Familie verbringt man sein ganzes Leben, sie steht immer im Mittelpunkt. Die riesigen Familien sind fast etwas wie kleine Gemeinden, allein ich habe unzählige Verwandte in Deutschland und im Kosovo. Für mich sind neben meinen zwei Brüdern meine rund 60 Cousins und Cousinen am wichtigsten. Damit bin ich nicht allein: Traditionell hat man ein sehr inniges, fast geschwisterliches Verhältnis zu ihnen. Viele meiner Cousins sagen sogar „Schwester“ zu mir, genauso wie ich zu meinen Cousinen.

Trotz dieser engen familiären Bindung bin ich aber vor zwei Jahren bei meinen Eltern in Gladbach ausgezogen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. Seitdem wohne ich in Potsdam und spiele für den dortigen Fußballclub 1. FFC Turbine Potsdam.



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