Grünes Gewissen

von Rudolph J. Schmidt

Treffen sich zwei. Westen und Islam (Ausgabe II/2009)


Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Treibhausgase die Hauptursache für die Erwärmung der Erde sind und dass es bisher vor allem die Industrieländer waren, die Treibhausgase emittiert haben. Trotzdem ist es noch nicht gelungen, die Belastung des Klimas zu beenden. Was müsste getan werden? Auf diese Frage sucht das Buch „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“, geschrieben im Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Antworten zu geben. Ein Vorgänger war schon 1996 erschienen. Die Neuauflage konstatiert ermutigende Entwicklungen, zeigt aber auch, dass ein tiefer gehender Wandel noch nicht eingesetzt hat.

Zu den dringend notwendigen Veränderungen gehören die technologische Umgestaltung zu ressourcenschonenden Systemen, der Aufbau von Regelwerken und Einrichtungen, welche die Dynamik der Wirtschaft innerhalb der Regenerationsgrenzen der Biosphäre halten, und der Wandel von Leitbildern, angefangen bei der persönlichen Lebensführung über das professionelle Ethos bis hin zu den Prioritäten der Staaten.

Umgestaltet werden muss vor allem die Ener­giegewinnung. Um eine weitere Erderwärmung zu vermeiden, schlagen die Autoren vor, den Energieverbrauch durch verbesserte Energieeffizienz zu senken und den Bedarf auf alternative Energiequellen umzustellen.

Viel umstrittener und deshalb auch schwerer durchsetzbar ist eine Umgestaltung des Wirtschaftssystems mit dem doppelten Ziel, eine weitere Schädigung der Biosphäre zu vermeiden und gerechtere Austauschbeziehungen herzustellen. Das europäische Emissionshandelssystem ist ein erster Schritt, die Nutzung öffentlicher Güter zu einem Kostenfaktor zu machen. Die Autoren kritisieren das bestehende Welthandelssystem, das die ärmeren Staaten benachteilige, und fordern, dass die Wirtschaftspolitik statt auf quantitatives auf qualitatives Wachstum setzen müsse. Allerdings wird die vorgeschlagene „Neuerfindung“ der WTO schwer durchzusetzen sein. Letztlich kann die Wirtschaftspolitik auch niemandem die Entscheidung abnehmen, was und wie viel er oder sie verbrauchen will. 

Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Hrsg. vom BUND, Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst. Fischer, Frankfurt, 2008.



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