Tanzen für den Regen

von Clara Heinrich

Iraner erzählen von Iran (Ausgabe III/2014)


Im Monat Esala, der nach dem Mondkalender mal auf den Juli, mal auf den August fällt, feiert man in Sri Lanka dem Regen entgegen. Die größte Prozession mit bis zu hundert geschmückten Elefanten ist die Esala Perahera („Das Fest des Zahns“) in Kandy. Zehn Tage lang finden in der alten Königsstadt Prozessionen statt. Die Umzüge verlaufen stets nach demselben Schema: Zuerst kommen Peitschen schwingende Männer, dann Flaggenträger, schließlich Elefanten und Tänzer. Nicht nur die Lautstärke, auch Temperatur und Anspannung steigen spürbar von Tag zu Tag.

Höhepunkt der Paraden: Ein Geistlicher trägt die goldene Schatulle, die eine Nachbildung von Buddhas linkem oberen Eckzahn enthält. Ob Buddhist oder Tourist – aus Respekt vor der Reliquie erhebt man sich. Von Tänzern umringt wird die Schatuelle zu dem Wächter des Zahntempels getragen, dem Diyawadana Nilame. Nach zehn Tagen endet die Feier in Kandy mit einer Zeremonie, die Fruchtbarkeit bringen soll. Mit einem heiligen Schwert teilt der Wächter des Zahntempels symbolisch Wasser aus dem nahe gelegenen Mahaweli-Fluss. Das nun geheiligte Wasser wird in die Tempel von Kandy gebracht und dort bis zum nächsten Jahr aufbewahrt. In den folgenden Tagen setzt fast immer der erwartete Regen ein.



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