„Übelkeit ab 2.000 Metern“

ein Interview mit Ned Gilbert-Kawai

Oben (Ausgabe I/2019)


Herr Gilbert-Kawai, Höhenkrankheit, was heißt das genau?

Es gibt viele unspezifische Symptome – Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafprobleme, Übelkeit. Im Extremfall kann ein Hirn- oder Lungenödem lebensgefährlich sein. Die beste Behandlung ist, nicht weiter aufzusteigen. Alle Probleme haben mit Sauerstoffmangel zu tun und können ab etwa 2.000 Höhenmetern beginnen.

Lässt sich voraussagen, wer beim Aufstieg erkrankt?

Das ist der heilige Gral der Bergmedizin. Wir haben bisher keine Möglichkeit, das vorauszusagen. Jeder braucht eine individuelle Zeit, sich anzupassen.

Für Ihr Forschungsprojekt haben Sie das höchste Labor der Welt eingerichtet, das Xtreme Everest Camp ...

  Wir haben zwei Vergleichsgruppen untersucht: hundert Flachländer und hundert Sherpas. Letztere sind am Mount Everest geboren und an die Höhe außergewöhnlich gut angepasst. Während die Touristen für die Strecke von Kathmandu zum Everest Base Camp zehn Tage brauchen, brauchen die Sherpas drei, mit schwerer Last. Sherpas, fanden wir heraus, besitzen eine besondere Physiologie, aber in anderer Weise, als alle vorher angenommen hatten. Sie haben viel mehr Blutgefäße, die die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, versorgen. Außerdem verwerten sie Sauerstoff sehr viel besser als die Flachländer. Mit diesen Erkenntnissen versuchen wir nun, Patienten mit anderen Krankheiten auf den Intensivstationen zu helfen. Deren größtes Problem ist nämlich auch sehr oft der Sauerstoffmangel.

ein Interview von Friederike Biron



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