Mehr Geschichten, die Menschen Mut machen

von Hektor Haarkötter

Helden (Ausgabe II/2018)


»(...) 2.1 Journalistische Angebote stärker fokussieren

Konzentration

Um die Erwartungen ihrer Nutzer zu erfüllen und sich im Wettbewerb hervorzuheben, hat die DW im abgelaufenen Aufgabenplanungszeitraum ihre Angebote kontinuierlich optimiert und auf diese Weise eine Spitzenposition unter den internationalen Informationsanbietern erlangt.

Angesichts der erhöhten Zahl an Wettbewerbern und der dadurch weiter zunehmenden Menge an journalistischen Angeboten wächst das Bedürfnis nach journalistischer Qualität und einzigartigen Inhalten, die aus der Masse hervorstechen. Denn nur solche Inhalte, die von den Nutzenden als relevant erachtet werden, in ihrer Machart innovativ sind und ihnen einen konkreten Mehrwert bieten, werden auch genutzt. Dabei ist die Anschlussfähigkeit an die Lebenswirklichkeit der Zielgruppe ein wesentliches Qualitätskriterium. Zur Lebenswirklichkeit gehören jedoch nicht ausschließlich faktenbasierte Nachrichten über das aktuelle Geschehen. Hierzu gehören auch konstruktive Geschichten, die Menschen Mut machen: beispielsweise Beiträge über erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, Künstler, Erfinder oder über Menschen, die sich in den jeweiligen Zielregionen in besonderer Weise für die Zivilgesellschaft einsetzen. Das erfordert von der DW die Produktion von mehr selbst erstellten, originären Inhalten aus der und über die Region. Die DW wird daher ihre Angebote noch stärker auf exklusive, qualitativ hochwertige Inhalte und attraktive, zeitgemäße Formate konzentrieren – Angebote, die das Profil und die Marke DW im Wettbewerberumfeld unverwechselbar machen und dem steigenden Wunsch der Nutzer nach Orientierung, Identifikation und Dialog entgegenkommen.

Stärkere Nutzerorientierung durch Regionalisierung

Ausgangspunkt aller Überlegungen und Maßnahmen zur Optimierung der DW-Angebote sind die Nutzerinnen und Nutzer. Die DW hat den Anspruch, ihre Zielgruppen mit aktuellen und für sie relevanten Informationen zu erreichen. Im abgelaufenen Aufgabenplanungszeitraum gelang es ihr, die Relevanz ihrer Inhalte zu steigern vor allem durch eine stärkere Ausrichtung ihrer Inhalte auf die Lebenswirklichkeit der Zielgruppen. Dennoch ergibt sich insbesondere für die englischsprachigen Angebote für Afrika, Asien und die USA Optimierungspotenzial. Vor allem die jungen Zielgruppen in den urbanen Zentren Afrikas und Asiens sollten sich zukünftig noch stärker mit ihrer Lebenswelt in den Angeboten der DW wiederfinden. Daher wird die DW einen Schwerpunkt auf eine verstärkte Regionalisierung ihrer Angebote legen. Hierzu gehört neben der thematischen Schwerpunktsetzung auf einzelne Länder und Regionen auch, die Auswirkungen globaler Ereignisse auf die jeweilige Zielregion noch besser abzubilden. Zielgruppenspezifisch gestaltete, inhaltlich regionalisierte Inhalte bieten den Nutzenden ein hohes Identifikationspotenzial und schaffen Anlass zum Dialog. Sie stellen angesichts zunehmenden Wettbewerbs einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die DW dar.

Mit dem Ziel, näher an der Zielgruppe zu sein und damit die Qualität und Authentizität regionalisierter Inhalte zu steigern, wird die DW in ausgewählten Regionen sukzessive die Produktion vor Ort ausbauen. Hierzu plant sie die Ausweitung ihres Korrespondentennetzes sowie die Einrichtung von Büros in strategisch besonders bedeutsamen Ländern. In diesem Zusammenhang scheint darüber hinaus die Einrichtung von Studios geboten, die neben dem exklusiven Zugang zu Themen eine unmittelbare Produktion vor Ort ermöglichen. Mit dieser Maßnahme, die nur bei einem Mittelaufwuchs realisiert werden kann, verfolgt die DW ein weiteres Ziel: Indem sie bei aktuellen Geschehnissen, gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Entwicklungen vor Ort ist, kann sie schneller reagieren und so ihre Breaking-Newsund Krisenreaktionsfähigkeit erhöhen. Auf diese Weise gelingt es ihr auch, Zeitdifferenzen zu überbrücken und damit einen Wettbewerbsvorsprung anderer internationaler Informationsanbieter zu reduzieren, die zum Teil schon lange und mit erheblichen Ressourcen vor Ort produzieren. Die DW wird dafür Sorge tragen, dass die Arbeit vor Ort den gleichen strengen Qualitätssicherungsmaßstäben unterliegt, die auch an den DW-Standorten im Inland gelten.

Wesentliche Voraussetzung, um Relevanz und Reichweite der Angebote nachhaltig zu steigern, sind für die Nutzerinnen und Nutzer maßgeschneiderte Inhalte. Um zu gewährleisten, dass alle Angebote auf die Bedürfnisse und Interessen der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten sind, bewährt es sich seit Langem, dass die DW bereits bei der Entwicklung ihrer Angebote die Rückmeldungen ihrer Partner berücksichtigt. Diese Partner betreiben reichweitenstarke TV-Sender, Radiostationen oder Onlineportale in den Zielregionen, über die sie Inhalte in ihre Angebote integrieren und verbreiten. (...)«


Kommentar von Hektor Haarkötter:

Welche Pläne hat die Deutsche Welle?

Die Deutsche Welle (DW) strebt eine bedeutende Etaterhöhung an (2017: 326 Millionen Euro) und will dafür mehr Korrespondentenbüros und Studios weltweit einrichten.

Kann sie eine deutsche BBC werden?

Schön wär’s! Natürlich schicken die Verantwortlichen der DW solche Vergleiche ins Rennen, wenn es um eine Etaterhöhung geht. Die DW wird als deutscher Auslandssender mit Bundesmitteln finanziert. Doch sie hat ein kleineres Budget als der BBC Worldservice. Außerdem spricht die BBC als englischer Sender Muttersprachler weltweit an, die DW muss dieses Publikum erst gewinnen.

Wird dies gelingen?

Als unabhängiges Medienangebot ist die DW international sehr wichtig. Deutschland hat mächtig an Reputation gewonnen und gilt heute als Vorbild in Sachen Medienfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit. Gerade in Zeiten von Fake News und der massiven Einschränkung von Freiheitsrechten selbst in vermeintlich etablierten Demokratien ist eine seriöse journalistische Stimme wichtig. Zu überlegen wäre, ob nicht muttersprachliche Angebote im Inland gerade für Migranten eine Bereicherung des Portfolios der DW wären.

Auszug aus » Unterrichtung durch die Deutsche Welle. Entwurf der Aufgabenplanung 2018 bis 2021«
Zum Download: dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/003/1900372.pdf



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