Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Russland (Ausgabe III/2015)

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Foto: Max Lautenschläger


Seitdem die russische Führung im Frühjahr 2014 die Krim annektierte, hat sich das Verhältnis des größten Landes der Welt zum Rest der Welt gewandelt. Der einstige Partner im Osten ist für viele Regierungen zum Angstgegner geworden. Auch im Innern hat sich das Land verändert.

Russland – das wird zurzeit immer mehr zum Synonym für Putin. Doch ein einzelner Mann kann ein solches Riesenreich selbstverständlich nicht allein regieren. Putin – das ist ein System. Der Autor Oleg Kaschin vergleicht es mit einer Harry-Potter’schen Parallelwelt, in der dunkle Mächte herrschen und in der oft schwer auszumachen ist, wer gut und wer böse ist.

Wir haben für diese Ausgabe nach unabhängigen Journalisten und Intellektuellen gesucht, die uns die Gegenwart des Landes und seiner Menschen erklären. Wie bedrohlich die freiheitliche Maidan-Bewegung in Kiew vom Winter 2013/2014 auf die russische Regierung wirkte, beschreibt etwa die Psychologin Ludmila Petranowskaja. Putin führe seither einen Krieg gegen sein eigenes Volk, einen „Informationskrieg“ um die Ereignisse in der Ukraine. Ziel sei es, die Russen glauben zu machen, eine Revolution bedeute Zerfall, Vernichtung und Bürgerkrieg. Bisher geht die Strategie auf. „Die russische Gesellschaft hat sich wieder an die Unfreiheit gewöhnt“, sagt die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch. Man schaut eher zurück als nach vorn, die ruhmreiche Vergangenheit scheint mehr Identität zu stiften als die chaotische Gegenwart. Der „Glaube an eine historische Bestimmung Russlands, die es nur als Großmacht erfüllen kann“, ist ein wesentlicher Teil der neuen russischen Staatsdoktrin, schreibt der Zeithistoriker und Russland-Experte Walter Laqueur. „Wie weit wird Putin gehen?“, fragt er.

Und wie lange werden die Menschen diesen Weg mitgehen? Der Soziologe Mischa Gabowitsch spricht im Interview darüber, wie Protestbewegungen in Russland funktionieren. Und der Dichter Dmitri Golynko erzählt, wie im Internet mit Sprache gespielt wird, um die Regierung zu kritisieren. Der deutsche Autor Tilman Rammstedt schließlich fährt als „Melancholietourist“ nach Moskau und lernt: Wenn man in Russland trinkt, muss man auf die Gesundheit anstoßen, besonders auf die der Frauen.



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