Ohne Schutz

von Albino Forquilha

Geht doch! Ein Männerheft (Ausgabe I/2012)


Mein Leben änderte sich von einem Tag auf den anderen, als ich gerade 13 Jahre alt war. Es war das Jahr 1981 und mein Heimatland Mosambik befand sich in einem grausamen Bürgerkrieg. Als ich von der Schule nach Hause kam, wurden ich und zwei Mitschüler von Rebellen entführt. Sie brachten uns in ein Lager an der Grenze zu Simbabwe. Dort wurde ich zum Kindersoldaten gemacht. Zum ersten Mal in meinem Leben hielt ich ein Gewehr in der Hand, mir wurde beigebracht, wie man zerstört und tötet. Schon nach einer Woche begleiteten wir die älteren Männer in den Krieg. Es begann eine Art Wettkampf, denn die Rebellen wollten sehen, wer am meisten „Mut“ hat. Wir sollten uns als „Helden“ beweisen, sonst würden wir umgebracht werden. Das war eine schwere Zeit, in der wir viel Grausames tun mussten. Einige versuchten zu flüchten. Als sie erwischt wurden, trommelten die Rebellen das ganze Lager zusammen. Einer von uns musste sie erschießen, damit ganz klar wurde: Flucht ist nicht erlaubt.

Eines Nachts griffen Regierungstruppen das Lager an. Wie viele andere nutzte ich die Chance zur Flucht und rannte durch die Nacht. Ein Mann, der auf einem Feld arbeitete, fand mich und brachte mich zum Lager der Regierungssoldaten. Dort musste ich sehr viele Fragen beantworten, bis nach einer Woche endlich klar war, dass ich wirklich der bin, für den ich mich ausgab – der Direktor meiner Schule hatte bestätigt, dass ich sein Schüler war. Ich durfte dorthin zurück.

Ich war so wütend auf den Staat und meine Eltern, die mich nicht beschützt hatten, dass ich mich später zur Armee meldete, um anderen Jungen ein solches Schicksal zu ersparen. Was mir aber zunächst half, war, dass ich einen „Reinigungsprozess“ durchlief. In Mosambik ist das üblich, wenn man Schlimmes erlebt hat. Die Reinigung wird stets von traditionellen Heilern geleitet. Ich kann nicht jeden Schritt erklären, aber es ist eine große und öffentliche Zeremonie. Das Wichtigste dabei ist, den anderen zu zeigen, dass die Person, um die es geht, Menschen tötete und somit von schwarzer Magie besessen ist. Und dass sie ihr Leben ohne Reinigung nicht fortsetzen kann. Wir glauben, dass man danach frei ist von dem, was man getan hat. Und man wird dann in der Gemeinschaft auch wieder akzeptiert.

Als ehemaliger Kindersoldat will ich mithelfen zu verhindern, dass unser Land jemals wieder in eine solche Situation kommt. Deshalb engagiere ich mich für den Frieden. Seit dem Ende des Krieges im Jahr 1992 gab es schätzungsweise sechs Millionen Waffen, die sich außerhalb der Kontrolle der Regierung befanden. Wir starteten mehrere Programme, um die Waffen einzusammeln. Danach bekamen wir Anfragen, ob wir sie nicht verkaufen wollen. Das haben wir abgelehnt. Wir wollen Frieden.

Protokolliert von Christine Müller



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