Die schwimmende Schule in Lagos

von Iwan Baan

Iraner erzählen von Iran (Ausgabe III/2014)

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Wegen des Platz- und Bildungsmangels in den Slums der nigerianischen Haupstadt Lagos entwarf der Architekt Kunlé Adeyemi die „Makoko Floating School“. Foto: Iwan Baan


Makoko ist ein riesiger Slum, der sich in einer Lagune der nigerianischen Hauptstadt Lagos erstreckt. Mehr als 150.000 Menschen leben hier, wo Unternehmer und Behörden gerne Wolkenkratzer sehen würden. Die meisten Holzhütten haben die Bewohner von Makoko eigenhändig erbaut. Sie stehen auf dünnen Holzstelen und man kommt nur per Boot von Hütte zu Hütte. Wenn am Nachmittag Fisch geräuchert wird, hängt der Rauch über den Dächern.

Mein guter Freund, der Architekt Kunlé Adeyemi, errichtete mit örtlichen Tischlern und Zimmermännern eine schwimmende Schule, die dem Slum vorgelagert ist. Den Wellen hält sie Stand und ist eine Vision, wie Makoko in Zukunft aussehen könnte. Im ersten Stock können einhundert einheimische Kinder unterrichtet werden. Nach dem Unterricht machen Fischer hier ihren Mittagsschlaf, Händler legen für eine Pause an. Ozomeho Fifo (die „schwimmende Schule“) überragt alle anderen Gebäude in Makoko und steht für den Stolz, den die Menschen hier für ihre Heimat empfinden.

Protokolliert von Fabian Ebeling



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