„Mädchen auf dem Platz waren unvorstellbar“

Beweg dich. Ein Heft über Sport (Ausgabe I/2014)


Bei „Fußball für den Frieden“ spielen gemischte Teams, aber nur die Mädchen dürfen Tore schießen. War das anfangs schwer für dich?

Natürlich. Als ich zu „Fußball für den Frieden” kam, war ich zwölf. Und auf einmal sollte ich mit Mädchen zusammen spielen! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Mädchen überhaupt auf den Fußballplatz gehören. Aber unser Trainer hat uns immer wieder gesagt: „Mädchen können das Gleiche wie ihr! Motiviert sie, mit euch Fußball zu spielen.“ Inzwischen bin ich glücklich, wenn unser Team durch die Leistung eines Mädchens ein Tor schießt. Das fühlt sich jetzt ganz natürlich an.

In manche Spiele baut ihr Sketche ein, warum?

Wir unterbrechen das Spiel manchmal mit einer kurzen Theatereinlage. Wir wollen den Zuschauern zum Beispiel zeigen, dass Mädchen den gleichen Teamgeist wie Jungen haben. Also stellen sich auf einmal die Mädchen auf der einen Seite des Felds auf und die Jungs auf der anderen. Dann kommen die Mädchen und sagen, sie wollen mitspielen. Die Jungs antworten, dass sie nicht mit den Mädchen spielen können. Dann diskutieren sie, bringen verschiedene Argumente vor. Am Ende einigen sich sich darauf, doch zusammen zu spielen, und das Match geht weiter.

Wie reagieren die Zuschauer auf die Sketche?

Die Zuschauer mögen sie. Vor allem die Mädchen!

Was will das Projekt in Ruanda verändern?

In Ruanda gibt es immer noch eine Kultur, in der gilt, dass nur Jungs etwas zu sagen haben. Durch „Fußball für den Frieden“ wird deutlich, dass es eine Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen geben kann.

Das Gespräch führte Johanna Wild
Fast zwanzig Jahre nach dem ruandischen Genozid spielen Kinder der Opfer, Täter und Mitläufer von damals miteinander Fußball. Das Projekt „Fußball für den Frieden” will den friedvollen Umgang miteinander fördern. In Ruanda startete die Jugendorganisation Espérance das in den 1990er-Jahren in Kolumbien erfundene Projekt für Jungen und Mädchen in einem sozial benachteiligten Stadtviertel der Hauptstadt Kigali.



Ähnliche Artikel

Good Morning America. Ein Land wacht auf (Thema: Vereinigte Staaten)

America first

von Marcia Pally

Kann uns mal jemand den amerikanischen Patriotismus erklären? Einige Betrachtungen über den Nationalstolz

mehr


Kauf ich. Ein Heft über Konsum (Thema: Konsum)

Heute gibt es Reste!

von Tristram Stuart

Riesige Mengen an Lebensmitteln werden nur produziert, um weggeworfen zu werden. Wie wir diesen Wahnsinn stoppen

mehr


Good Morning America. Ein Land wacht auf (Thema: Vereinigte Staaten)

Die Macht der Trägheit

von Rashid Khalidi

Obama hat den Nahost-Konflikt zur Chefsache erklärt: In den vergangenen Monaten wurde ein Sondergesandter ernannt, die beteiligten Regierungschefs nach Washington eingeladen und der Druck auf Israel, seine Siedlungspolitik zu ändern, erhöht. Erklärtes Ziel der USA ist die Zwei-Staaten-Lösung. Aber welche tief verwurzelten Verhaltensmuster müssen durchbrochen werden, um dieses Ziel zu erreichen?

mehr


Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Thema: Wachstum)

Rinder statt Inder

von Darryl D’Monte

Wie Getreide immer mehr Vieh statt Menschen ernährt

mehr


Beweg dich. Ein Heft über Sport (Thema: Sport)

Über Boxen

von Joyce Carol Oates

Warum das Leben manchmal dem Sport gleicht

mehr


Rausch (Was anderswo ganz anders ist)

Libellenfangen

von Toshiyuki Miyazaki

Über ein besonderes Tier in Japan 

mehr