Fotografie | Ukraine

Krieg und ein wenig Frieden

Der Kiewer Fotograf Vic Bakin porträtiert in seiner Fotoarbeit „Hell Was Full“ ukrainische Soldatinnen und Soldaten zu Hause, fern der Front

In einem Kiewer Plattenbau, irgendwann zwischen zwei Fronteinsätzen, hält eine 19-Jährige die Hand ihres Freundes. Sophia ist Kampfsanitäterin, ihr Freund, der nur mit seinem Funkrufzeichen „Echo“ benannt sein möchte, dient in einer Sturmbrigade. Kennengelernt haben sie sich 2023, mitten im Krieg. Eine Beziehung, die es in Friedenszeiten womöglich nie gegeben hätte.

Es sind solche Geschichten, für die der Fotograf Vic Bakin seine Protagonistinnen und Protagonisten aufsucht. Nicht an der Front, sondern in den wenigen ruhigen Stunden zwischen den Einsätzen. Sein fotografischer Essay »Hell Was Full« zeigt eine junge Generation ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in privaten Momenten, die der Krieg so selten zulässt.

Was Bakin antreibt, ist eine Überzeugung, die er nach über einem Jahr intensiver Arbeit an dem Projekt so formuliert: „Es gibt nichts Heroisches im Krieg. Er zerstört Leben, oft auf eine Weise, die sich nicht mehr reparieren lässt.“ Diese Haltung prägt, wen er fotografiert – und wie. Keine Posen mit Waffen, keine Uniformen als Symbole von Stärke; stattdessen Gesichter, Gesten, Stille.

Da ist Yevhen, Rufzeichen „Wild“, Kommandant einer Mörsereinheit, der beschreibt, wie er morgens noch unter Artilleriebeschuss lag und sich am Abend mit seiner Freundin in einem Hotelzimmer mit Blick auf den Dnipro wiederfand. Da ist der Aufklärungssoldat Zgura, der mehrere Gehirnerschütterungen erlitt, kurzzeitig für klinisch tot erklärt wurde und dennoch im Dienst blieb – weil ihm die Rückkehr in ein ziviles Leben inzwischen unvorstellbar erscheint. Und da ist Vovchyk, Zugführer, der auf dem Sofa liegt, die Augen geschlossen, und auf die Frage nach seiner Hoffnung antwortet, er glaube nicht wirklich daran, dass dieser Krieg bald endet.

Was diese Bilder über das Sichtbare hinaus zeigen wollen, ist für den Fotografen die eigentliche Frage: nicht die Verwundungen, die man sieht – Amputationen, Narben –, sondern jene, die unsichtbar bleiben. Traumata, psychische Verletzungen und eine Erschöpfung, die sich in Bildern kaum festhalten lässt.

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