Weltkulturerbe | Bulgarien

Masken aus Haut und Hörnern

In Bulgarien werden mit beeindruckenden Maskeraden die bösen Geister vertrieben
Drei Menschen mit großen Masken und Gürteln aus Kuhglocken stehen in einer Schneelandschaft

Einige der Maskierten tragen Glocken, wie hier im Rhodopengebirge. Sie machen großen Lärm bei Bewegung und wiegen bis zu sechzig Kilo

Die Tradition der rituellen Maskierung reicht in Bulgarien zurück bis in die vorchristliche Zeit, und sie ist lebendig bis heute. Es gibt jeweils lokale Besonderheiten, und die Maskierten haben unterschiedliche Namen: Kukeri, Survakari, Dzamalari oder Babugeri. Die Feste finden teils im Januar, teils zu Beginn des Frühjahrs zu Karnevalszeiten statt.
Dann tingeln die Maskierten durch die Häuser aller Dorfbewohner und wünschen ihnen und der ganzen Gemeinschaft Gesundheit, Fruchtbarkeit und Wohlergehen. Im Gegenzug wird die Maskengruppe mit traditionellen Speisen bewirtet, mit Fleisch und Früchten sowie Getränken, etwa dem Obstbrand Rakija oder Wein. Heutzutage spendet man der Truppe auch Geld. Am Abend versammeln sich alle an einem zentralen Platz des Ortes und beenden den Feiertag mit einem gemeinsamen Fest. Vor allem bei den Survakari im Westen Bulgariens werden dazu Feuer entzündet, und man tanzt Horo, einen traditionellen Reigentanz.

„Jeder macht seine eigene Maske, sodass keine wie die andere ist“

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts trugen nur junge, unverheiratete Männer die Masken, als ein Initiationsritus, auch mit Blick auf die Eheschließung. In den letzten Jahrzehnten begannen Frauen mitzumachen, heute sind ganze Familien dabei. Die Tradition ist nach wie vor ausgesprochen beliebt und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Viele Kinder treten begeistert den Maskengruppen bei und lernen, ihre eigenen Outfits herzustellen.
Es gibt zwei Grundtypen: tierähnliche und menschenähnliche Kostüme. Die Survakari fertigen ihre Masken hauptsächlich aus Holz und den Häuten und Hörnern des Viehs sowie aus Federn. In den Kukeri-Gruppen werden neben den Tierhäuten auch Stoffe, bunte Fäden und Perlen verarbeitet. Manche Masken sind heute bis zu zwei Meter groß.
In den Gruppen macht jeder seine eigene Maske, sodass keine wie die andere ist. Zu den wichtigsten Figuren, die sie darstellen, gehören „Braut und Bräutigam“ in Hochzeitskleidern, der „Priester“, der in jedem der besuchten Häuser eine parodierte Hochzeit inszeniert, „Bär und Bärenhalter“, der „König der Kukeri“ und die „alte Frau“.
Um die Traditionen bekannt zu machen, werden in Bulgarien mittlerweile Maskenfestivals organisiert. Sie ziehen viele Teilnehmerinnen und Touristen aus dem In- und Ausland an. Zu den größeren Veranstaltungen zählen das Internationale Festival der Maskenspiele „Surva“ in Pernik und das „Kukerlandia“-Festival in Jambol.

 

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