Die Webseite Niceaunties.com zeigt surreale Bildwelten, in denen ältere Frauen aus Singapur als bunte Heldinnen auftreten: „Tanten“ („aunties“) mit Reisbällchen im Haar, die mit riesigen Einkaufstaschen durch neonbeleuchtete Straßen schweben oder in einem Kleid aus Weißkraut über einen Laufsteg tanzen. Die Figuren strahlen eine unerschütterliche Energie aus.
In Südostasien genießen „aunties“ keinen besonders guten Ruf. Sie gelten als pragmatisch, zugleich aber als scharfzüngig und dominant. Bei Familientreffen sagen sie einem unverblümt, dass man zugenommen habe – und bieten einem im nächsten Moment noch mehr Essen an. Hinter dem Pseudonym „Niceaunties“ steht eine aus Singapur stammende Künstlerin und Architektin, die anonym bleiben möchte und selbst mit vielen Tanten und ihrer Großmutter aufgewachsen ist. „Bei meiner Großmutter ging es immer um Wäsche, Kochen und Fischbällchen“, sagt sie im Interview.
„Als Kind habe ich sie manchmal heimlich weinen sehen, sie war unglücklich“, fügt sie hinzu. „Ich möchte den Begriff ›aunties‹ neu framen, ihn feiern. Sie leisten so viel, sie sind überall und zugleich in der Gesellschaft meist unsichtbar.“
Für ihre Werkserien nutzt die Künstlerin KI-Tools, um die Tanten in fantastische Szenerien zu versetzen. Diese sind auf Niceaunties.com
zu sehen – und inzwischen auch in Ausstellungen, etwa bei Christie’s in Paris sowie in Museen und Galerien in London, Seoul und Mexiko-Stadt. Auf der Webseite heißt es: „Everyone has an inner auntie.“
niceaunties.com