Die Bäder von Tiflis

Baden dient in Georgien nicht nur der körperlichen Reinigung, sondern ist ein soziales Ereignis

Gepflasterte Kuppeln befinden sich auf einem ebenfalls gepflasterten Platz in einer Stadt. Auf dem Platz sitzen Menschen und Kinder spielen. Im Hintergrund steht eine Burg auf einem Berg.

Das Royal Bath House in Tiflis, Georgien

„Die Stadt bezieht ihre Lebensenergie aus den Bädern“, heißt es über Tiflis, die Hauptstadt Georgiens. Denn Schwefelbäder haben hier seit jeher die Menschen belebt – selbst der Name der Stadt stammt von den heißen Quellen: Das georgische Wort „tbili“ bedeutet „warm“. Früher waren es einmal 65 Bäder, die am Fuß der Festung Narikala standen.

Heute sind im Bäderviertel Abanotubani, wo auch das im Bild zu sehende Royal Bath House liegt, noch acht Bäder in Betrieb. In vielen von ihnen kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit im heißen Wasser sitzen. Allerdings nicht zu lange, denn das Wasser hat je nach Jahreszeit eine Temperatur zwischen 37 und 47 Grad Celsius. Die heiße Luft steigt aus den oben offenen Kuppeln ins Freie, unter jeder verbirgt sich ein eigener gefliester Bereich, den man als Einzelperson oder als Gruppe mieten kann.

Baden dient in Georgien nicht nur der körperlichen Reinigung, sondern ist auch ein soziales Ereignis. Gerne wird abends oder nachts im Bad ein Glas Wein getrunken, gesungen und der neueste Klatsch ausgetauscht. Zwischen den Badegängen lässt man sich die alte Haut vom Körper schrubben. Dabei hilft eine kunstvoll erzeugte Schaumhaube, das „georgische Duschgel“, wie es die Masseurinnen und Masseure hier nennen. Jeder von ihnen hat eine spezielle Technik, die im Bad von Kollege zu Kollege oder innerhalb der Familie weitergegeben wird.

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