Feuerläufer

Eine der ältesten bulgarischen Riten ist das Nestinarstvo, das Feuerlaufen. Frauen und Männer – die Nestinari – laufen tatsächlich auf glühenden Kohlen.

Sie haben eine bestimmte Technik, sie tänzeln in kleinen Schritten darüber und halten die Füße möglichst flach, um sich nicht zu verbrennen. Irgendwie schaffen sie es, mit Mut und mit Training. Mich selbst hat das nie gereizt, nicht einmal in angetrunkenem Zustand. Ich habe das Nestinarstvo aber auch nie in seiner ursprünglichen Form erlebt. Inzwischen hat  sich der Brauch zu einer touristischen Attraktion in Restaurants und Clubs entwickelt, in denen es von einer Truppe inszeniert wird. Das Nestinarstvo hat eine heidnische Tradition, die sich dann mit der christlichen vermischt hat. In Bulgarien kommen ja die Traditionen vieler Völker zusammen. Die Hälfte der Bulgaren kam mit der Völkerwanderung aus dem Ural, aus Asien, und hat sich mit den Slaven und Thrakern vermischt. Es gibt auch Einflüsse aus dem Osmanischen Reich, dessen Teil Bulgarien 500 Jahre lang war. In solchen Ritualen wie dem Feuerlaufen spürt man, dass sich in Bulgarien Europa und der Orient treffen.

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