Eliten

Spitzen-Denker

Die Welt braucht eine Geisteselite

Jedes Jahr veröffentlicht das Gottlieb Duttweiler Institut die Liste der Top-100 "Global-Thought-Leader". Sie soll zeigen, welche Menschen mit ihren Ideen globalen Einfluss haben. Seit zwei Jahren stehe ich auf dieser Liste. Damit gehöre ich wohl zu einer Art geistiger Elite, zumindest im Hinblick auf meinen Einfluss. Diejenigen unter uns, die das Prinzip einer egalitären Gesellschaft befürworten, mögen bedauern, dass es überhaupt Eliten gibt. Wäre es nicht besser, wenn jeder Denker, beziehungsweise jeder Mensch, ähnlich großen Einfluss hätte?

Nein, nicht alle Ideen sind gleichwertig. Manche sind besser begründet und näher an der Wahrheit als andere. Denken wir nur an die Vorstellungswelten von Gandhi, Desmond Tutu und Malala Yousafzai und vergleichen wir sie mit denen von Hitler, Stalin oder den Anführern des Islamischen Staats.

Wir sollten mit dem englischen Philosophen John Stuart Mill hoffen, dass von den zahlreichen Ideen, die aus Gesellschaften hervorgehen, denen Gedanken- und Redefreiheit am Herzen liegt, die besonders schlüssigen und jene mit dem größten Wahrheitsgehalt, Kritik und Diskussion am besten standhalten.

Heute hat sich freilich die öffentliche Debatte auf Abermillionen Menschen ausgeweitet, die online an Debatten teilnehmen, eine Entwicklung, die das Gottlieb Duttweiler Institut bei seinen Rankings berücksichtigt. Das heißt nicht, dass die Personen, die weit vorn liegen, notwendigerweise bessere Denker sind als die weiter unten oder gar nicht genannten, aber wir wollen hoffen, dass die Einstufung nicht vollkommen willkürlich ist. Meines Erachtens verrät ein Blick auf die Liste, dass diese bescheidene Hoffnung nicht ganz unberechtigt ist.

Ebenso hoffen wir, dass die Liste in Zukunft eine wirklich globale Ausrichtung haben und das enorme Spektrum an Ideen repräsentieren wird, die Menschen unabhängig von ihrer geografischen und ethnischen Herkunft, von Geschlecht oder Status entwickeln. Diese Hoffnung steht keineswegs im Widerspruch zum Umstand, dass man manchen Vordenkern eine größere Verbreitung und Aufmerksamkeit wünscht als anderen. Wenn die Zugehörigkeit zu einer geistigen Elite bedeutet, von vielen Menschen gelesen und diskutiert zu werden, dann besteht kein Grund, die Existenz einer solchen Elite zu beklagen.

Aus dem Englischen von Maja Ueberle-Pfaff

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