Editorial

Jenny Friedrich-Freksa, Ausgabe III/2017, Raum für Experimente



Je komplizierter die Welt, umso größer unsere Sehnsucht, sie durch sinnvolles Handeln zu verändern. Dabei mangelt es nicht an guten Ideen, aber an ihrer Umsetzung. Uns interessiert in diesem Heft die Frage, wovon es abhängt, ob Innovationen alltagstauglich werden, wann eine abstrakte Idee zum Pilotprojekt wird und ein Pilotprojekt zur Realität. Wie gelingen Erneuerungsprozesse und woran scheitern sie?
Wir stellen interessante Ideen vor, die bereits verwirklicht wurden oder derzeit in großem Maßstab getestet werden: etwa Modellversuche zum bedingungslosen Grundeinkommen in Finnland und Kenia, die sowohl Ungleichheit bekämpfen als auch dem rasanten Abbau von Arbeitsplätzen durch neue Technologien begegnen wollen. Wir schauen nach Kopenhagen, das sich auf klimawandelbedingten Starkregen und Überschwemmungen einstellt: mit einem Plan zum Wassermanagement. So werden bei Hochwasser aus Radwegen Flüsse und aus Grünanlagen Auffangbecken. Außerdem erklären wir die Blockchain-Technologie, eine Digitaltechnik, die die Art und Weise, wie wir mit Geld umgehen, revolutionieren könnte.
Der Philosoph und Historiker Achille Mbembe, der an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg lehrt, sagt: »Die schiere Menge an Ideen, über die die Menschheit verfügt, war nie größer ... und doch ist die Kultivierung von Ignoranz und Apathie nie offensichtlicher gewesen.« Wie überwindet man diese Apathie? Und wie gelingt es, in lange andauernden Veränderungsprozessen den eigenen Kurs zu korrigieren, wenn das nötig ist? Finnland hat hierzu gleich einen neuen Politikstil entwickelt: die »experimentelle Politik«. Gesetzesvorhaben werden getestet, bevor sie beschlossen werden, wie etwa beim oben genannten Experiment zum Grundeinkommen. Denn letztlich hängt funktionierende Erneuerung immer auch davon ab, wie handlungsfähig Politiker sind.
In dieser Ausgabe zeigen wir, wie Nationalstaaten innovativ handeln und wie es kleinere politische Einheiten, Städte und Dörfer, tun. Die großen Fragen bleiben, wie globaler Wandel gelingen kann und ob Antworten auf Probleme wie Klimawandel oder Rohstoffknappheit gefunden werden – Probleme, die Menschen weltweit gemeinsam werden lösen müssen.

 

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